Wen man ein paar Jahre auf dem Buckel hat, glaubt man zuweilen, alles hängt irgendwie miteinander zusammen. Warum mag ich den einen Schauspieler, warum mag ich meinen Frauenarzt? Warum habe ich mich vor ein paar Jahren so gut mit dem Rentner auf der Parkbank unterhalten. Wir beide waren zu dem Zeitpunkt gerade redselig und oft redet es sich mit Fremden leichter als mit dem eigenen Partner.

Unheimlich gern gesehen, Heinz Rühmann.

In meinem Leben hatte ich schon einige Jobs hinter mir. Wenn ich mich oute, dass ich Heinz Rühmann toll finde, dann ahnen schon einige, dass ich nicht mehr zum jungen Gemüse gehöre. Meinen Frauenarzt oute ich nicht, Reklame für Ärzte, nein nein. Aber er ist der Rühmann-Tipp, so viel darf ich verraten. Und der Rentner auf der Bank? Stimmt, gleiche Schublade. Der Gedanke kam mir vor ein paar Tagen, ich las den Text “Warum ich Pfleger wurde”.

Genau, den auf dieser Seite, mein Kollege hatte sich dazu ausgelassen. Da fiel mir ein, oder besser ich stellte die These auf, warum es mich erwischt hat. Der Rentner auf der Bank, den ich noch ein paar Mal traf, bis er mir eröffnete, dass wir uns demnächst nicht mehr sehen können, da er in ein Altersheim wechsele. Wie in dem Film mit Gerard Depardieu, “Das Labyrinth der Wörter”, wo eine reizende alte Dame dem anfangs ungehobelten Haupthelden die Welt der Bücher näherbringt.

Ich kann lesen, aber natürlich gibt es eine Parallele: den alten Mann von der Parkbank, er hat mir auch eine neue Welt erschlossen und ein Stück Familie zurückgegeben. Noch heute besuche ich  ihn, d.h. ich arbeite mittlerweile ganz in seiner Nähe: ich habe mich zur Altenpflegerin umschulen lassen. Und ich liebe meinen Beruf.

Das Ganze war wie ein Schlüsselergebnis und hat mein Leben verändert.

An wen nun aber erinnerte mich mein Frauenarzt, Rühmann und der alte Mann auf der Bank? Was haben die drei gemeinsam? Sie haben mich eindeutig an jemanden erinnert. Nicht an meinen Vater, sondern meinen Lieblingsgroßvater mütterlicherseits. Wahrscheinlich habe ich ihn die vielen Jahre einfach vermisst. Er starb für mich viel zu früh und unvermittelt, als ich 11 war. Ich habe es lange nicht verwunden und war ihm regelrecht böse. Ich dachte, er mache sich einen Scherz, sei plötzlich über Nacht verschwunden und käme irgendwann die Treppe hochgeeilt, um dann Sturm zu klingeln und ich mit einem breiten Grinsen zu begrüßen. Aber natürlich kam er nie wieder. Nur die Erinnerung blieb und die Vorliebe, fast wie eine Prägung, für gewisse Männertypen. Das ging so weit, dass es letztendlich meine letzte Berufswahl bestimmte.

Kennt Ihr so etwas auch? Schreibt uns, warum Ihr gerade Pfleger, Pflegerin, geworden seid.

1 Kommentar

  1. Ich finde gut, dass man auch mal etwas schreiben kann und hier nicht alles auf Hochglanz ist. Denn das Leben und der Job, mein Job ist anders. Ich freue mich, hier bald noch mehr von Euch und anderen zu lesen! ich habe mich auch im Newsfeed eingetragen. Macht weiter so!
    Rudi

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