Alls was uns lieb ist, wird in Grimm´s World zwischengelagert. Rotkäppchen hatte dort seine Großmutter untergebracht. Nur bei einem nahen Besuch wurden die eingefrorenen Insassen aufgetaut und für ein paar Stunden zum Leben erweckt. Meistens saßen dann alle im Speiseraum und tranken warmen Tee. Manche halfen auch mit einem kräftigen Schuß Rum nach. Die Alteingefrorenen schworen auf den Alkohol. Der wirke wie ein Frostschutzmittel und würde das Blut geschmeidiger durch die Adern fließen lassen, so dass der Betroffene angenehmere Träume hätte. Eingefroren war nicht gleichbedeutend mit Tod, man lebte in seinen Träumen fort und einige hatten schlimme Alpträume, weil sie Probleme aus ihrem früheren Leben noch in ihrem Eisbett wälzten.

Oma war froh, das Rotkäppchen wieder zu sehen. Durch die leicht beschlagene Brille schaute sie das nicht mehr junge Rotkäppchen an und schlürfte ihren Tee.

“Hast du mir etwas mitgebracht, liebes Rotkäppchen?”

Rotkäppchen nahm erst einmal eine spitze Nadel und stach der Großmama in die Pranke, die doch nur eine Hand war. “Für alle Fälle!” nuschelte sie. Die Blutprobe würde gleich ins Labor gehen und dann konnte sich Rotkäppchen sicher sein, dass wirklich die Frau Großmama vor ihr saß und nicht wieder der böse Wolf. Einmal im Leben aufgefressen worden zu sein, das reichte ihr. So lange sie das Ergebnis der Untersuchung nicht hatte, blieb sie reserviert. Hatte die Omama immer schon so große Ohren? Waren das keine Wolfshaare, die unter dem Kopfuch hervorlugten?

“Du bist ja so kalt, mein liebes Rotkäppchen! Dabei bin ich es, die immer noch unter dem Einfrieren leidet. Ich war immer schon eine rechte Frostbeule. – Sag doch mal was!”

Gleich, dachte das Rotkäppchen, gleich bekomme ich auf mein Handy die positive Meldung aus dem Labor und dann kann ich auftauen und meine Gefühle zeigen.

Am Tag, als der Dienstleister versagte

Aber das Handy bleib stumm. Kein Piepsen für eine neue Nachricht. Gab es ein Problem im Labor? Sie hatte die Nadel mit dem Blutstropfen seitlich in die spezielle Öffnung im Handy gesteckt und das Datenpaket per DiaGnosApp ans Labor geschickt. Ihre Konto war gedeckt, ihre Versicherung bezahlt. Wo lag das Problem? Wenn sie sonst eine schnelle Analyse einer Lebensmittelprobe brauchte oder ihr eigenes Blut bei einem Infekt testen wollte, dann half ihr die App in weniger als 100 Sekunden. Was ist los? Frag DiaGnos! warb das medizinische Diagnose-Unternehmen, das in vielen Fällen den Gang zum Hausarzt unnötig machte. Aber heute, an einem ganz normalen Freitag, versagte der Dienstleister. War vielleicht ein Feiertag in Bayern, von dem Rotkäppchen nichts wusste? Die Zentrale von DiaGnosAll saß ja bekanntlich in einem Vorort von München. Maria Himmelfahrt oder Seehofers Heimkehr, vielleicht der Franz-Jozef-Strauß-Gedenktag oder was weiß ich. Die Oma noch mal sticheln und eine weitere Probe einschicken? Das würde die resolute Frau nicht mitmachen, sie war langsam vollends aufgetaut und ein leichtes Rosa glomm auf ihren Wangen.

Da piepste das Handy endlich. Die Diagnose war da. Das Display leuchtete rot. Nicht gut! Bei positiven Meldungen leuchtete gar nichts. Saß nun doch der Wolf vor ihr? Hatte sie mit Ihren Vorahnungen recht gehabt? Ahhh!

Fotsetzung folgt!

Was bisher geschah: